Portrait des Löschzugs Materborn

Einsatzbereit im Süden von Kleve

Der Löschzug Materborn ist an der Kapellenstraße im Süden der Stadt Kleve stationiert. Gemeinsam mit der Löschgruppe Reichswalde bildet er den „Löschzug Süd“ und arbeitet bei größeren Lagen eng mit dem Löschzug Kleve zusammen. Löschzugführer ist seit 2015 Ernst Vehreschild mit den beiden Stellvertretern Mickael Bernhagen (2018) und Martin Brandt (2023). Die neue Wache ist nach zwei Jahren Bauzeit seit Ende 2025 bezogen und auf den modernen Betrieb ausgelegt. Sie bietet kurze Wege, klare Abläufe, saubere Trennung der Hygiene- und Umkleidebereiche sowie Platz für Mannschaft, Ausbildung und Material sowie ein Stellplatz für die Drehleiter.

„Technik hilft, die Mannschaft entscheidet. Kameradschaft und Routine machen uns stark. Das ist unser Fundament hier in Materborn.“
– Ernst Vehreschild, Löschzugführer Materborn

Von 1922 bis heute

Die Wurzeln des Löschzugs Materborn reichen ins Jahr 1922 zurück. Nach dem Aufruf von Bürgermeister Felix Roeloffs gründeten engagierte Bürger die Freiwillige Feuerwehr Materborn; erster Wehrführer war Bäckermeister Josef Sebus, geleitet vom Leitspruch „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“. Zuvor wurde die Brandbekämpfung durch Materborner Handwerker und Nachbarschaftshilfe geleistet. In den frühen Chroniken finden sich u. a. Brände beim Bäckermeister Naß, der Schreinerei Winkels und beim Bauern Verhoeven; 1926 unterstützte die Wehr beim Hochwasser in Wyler-Zyfflich. 1934 wurde die Amtswehr mit den Gemeinden Donsbrüggen und Hau gebildet – fortan als „Freiwillige Feuerwehr des Amtsbezirks Materborn“ mit motorisiertem Fahrzeug, Motorspritze und rund 120 Mann.

Die Kriegsjahre brachten schwere Einsätze, Verluste und Gerätemangel. Mit insgesamt etwa 80 Kameraden, die teils schnell ausgebildet wurden, um Eingezogene zu ersetzen, löschte die Wehr Angriffsbrände, stellte Wachen an abgestürzten Flugzeugen und Blindgängern; am 26. September 1944 fiel der frühere Wehrführer Josef Sebus. Nach 1945 begann unter schwierigen Bedingungen der Wiederaufbau. Da Ausrüstung fehlte, arbeiteten die Kameraden zu Beginn gemeinsam mit den Männern der britischen Besatzung und deren Gerät. In den Folgejahren prägten wiederkehrende Waldbrände den Einsatzalltag; dabei war bei manchem Einsatz nur eine Schaufel zur Hand.

Die Alarmierung lief damals anders als heute. Ging eine Meldung ein, half die Frau von Brandmeister Jakob Tenhaef beim Anziehen, während die Tochter draußen auf der Straße mit dem Feuerwehrhorn in alle Richtungen Alarm blies. Über Jahrzehnte modernisierte sich die Einheit Schritt für Schritt – bis hin zur heutigen, funktionalen Wache.

„Der Neubau in Materborn gibt der Einheit einen deutlichen Schub in die Zukunft. Er stärkt nicht nur die Motivation der Kameradinnen und Kameraden, sondern auch die Identifikation mit der Feuerwehr im gesamten Stadtteil. Das Projekt hat eine enorme Symbolkraft für die Feuerwehr und für den Ort gleichermaßen.“
– Daniel Scholz, stellv. Leiter der Feuerwehr Kleve

Neues Gerätehaus – bereit für heute und morgen

Die neue Wache an der Kapellenstraße ist konsequent auf die Bedürfnisse einer ehrenamtlichen Einheit zugeschnitten. Kurze Wege, klare Abläufe und die Hygiene mit Schwarz-Weiß-Trennung sorgen für sichere und effiziente Einsatzvor- und Nachbereitung. Vier Tore, darunter der Stellplatz für die Drehleiter, sowie Lager, Werkstatt und ein großzügiger Schulungsraum bieten Raum für Ausbildung, Technikpflege und Kameradschaft. Mit dem Neubau stärkt der Löschzug Materborn seine Verfügbarkeit im Stadtgebiet und schafft Reserven für zukünftige Anforderungen.

„Der Neubau in Materborn ist ein Baustein, um die Einheiten auf ein einheitlich hohes Niveau zu bringen. Moderne Abläufe, bessere Hygiene und mehr Raum für Ausbildung zahlen direkt auf die Einsatzqualität ein.“
– Ralf Benkel, Leiter der Feuerwehr Kleve

Team und Zusammenarbeit

Im Löschzug Materborn engagieren sich aktuell 30 aktive Mitglieder, darunter 3 Frauen. Mittelfristig ist eine Stärke von insgesamt etwa 40 Mitgliedern das Ziel. Zusammen mit der Löschgruppe Reichswalde bildet die Einheit den Löschzug Süd, Abläufe und Nachforderungen sind dabei eng abgestimmt. Mindestens einmal im Jahr üben beide Einheiten gemeinsam. Auch den winterlichen Theorieunterricht gestalten sie häufig zusammen. Die Ehrenabteilung umfasst 15 Mitglieder. Zur Unterstützungseinheit gehören 6 Mitglieder, die sich neben Übungs und Einsatzdienst in der Einheit engagieren (Stand Januar 2026).

Trainieren für den Ernstfall

Der Übungsdienst findet alle zwei Wochen freitags um 19:30 Uhr statt. Auf dem aktuellen Plan stehen u. a. Befreiung von Personen aus Aufzügen, Technische Hilfeleistung (TH) sowie Objektübungen im Einsatzgebiet. Mit dem Zuwachs an neuen Mitgliedern liegt bewusst mehr Fokus auf Grundfähigkeiten und sicheren Routinen. Das reicht vom strukturierten Vorgehen über Gerätekunde bis zu klaren Abläufen im Trupp. Am Jahresende treffen sich die Brandmeister der Einheit, verteilen die Themen und stellen den Übungsplan für das kommende Jahr zusammen. So bleibt der Dienst strukturiert, praxisnah und lässt sich bei Bedarf kurzfristig um aktuelle Schwerpunkte ergänzen.

Einsätze im Überblick

Die Einsatzlage in Materborn ist vielseitig. In einem typischen Jahr drittelt sie sich grob jeweils in Brandbekämpfung, Technische Hilfeleistung und Unterstützungsaufgaben für andere Einheiten. Türöffnungen, Verkehrsunfälle, ausgelöste Brandmeldeanlagen und Vegetations-/Waldbrände gehören genauso dazu wie Wohnungsbrände oder die Unterstützung des Rettungsdienstes. Aus den Erinnerungen älterer Kameraden ist überliefert, dass es insbesondere in früheren Jahrzehnten regelmäßig Wald- und Hofbrände gab, vor allem in den Sommermonaten.

„Früher gab es deutlich mehr echte Brände; heute ist die Bandbreite größer, von der Ölspur bis zum Wohnungsbrand. Die Ausrüstung und die persönliche Schutzausrüstung sind aber auf einem ganz anderen Niveau. Wichtig ist, dass wir den Zusammenhalt bewahren.“
– Wolfgang Arntz, von 1977 bis 2026 im Löschzug Materborn aktiv

Fahrzeuge und Technik

Der Löschzug Materborn verfügt über ein Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF), ein Löschfahrzeug (LF 10/6) und ein Mannschaftstransportfahrzeug (MTF); mit der neuen Wache steht auch wieder ein Stellplatz für die Drehleiter (DLK) zur Verfügung. Damit deckt die Einheit das Spektrum von Löschangriff, technischer Hilfe und Menschenrettung ab. Die Infrastruktur der neuen Wache unterstützt Ausbildung und Einsatzvorbereitung unteranderem mit einem Schulungsraum, der auch für bereichsübergreifende Unterrichte genutzt werden kann. Einen fachlichen Schwerpunkt bilden Funkeinsatzzentrale (FEZ)- und Einsatzleitwagen (ELW)-Dienste.

Kameradschaft im Dienstalltag

Kameradschaft ist in Materborn gelebter Alltag. Nach Übungen und Einsätzen bleibt Zeit zum Austausch, gemeinsame Aktivitäten stärken den Zusammenhalt. Die Einheit nimmt regelmäßig am Leistungsnachweis und am Orientierungslauf teil; eine Sportgruppe trifft sich sonntags zum Training. So wächst zusammen, was im Einsatzfall verlässlich funktionieren muss und das generationsübergreifend sowie offen für neue Mitglieder.

„Mich hat der Zusammenhalt sofort beeindruckt. Man lernt Erste Hilfe, Brandbekämpfung und vor allem, in Stresssituationen ruhig zu bleiben – Vertrauen macht uns stark.“
– Stefan Biermann, im Löschzug Materborn seit 2022

Für Stefan Biermann lohnt sich das Mitmachen in der Freiwilligen Feuerwehr doppelt. Es ist sinnstiftend und fordernd aber zugleich auch ein starker Beitrag für die Gemeinschaft. Neben Können und Routine wächst vor allem ein Netzwerk aus Menschen zusammen, denen dieselbe Leidenschaft wichtig ist. Wer Dienst, Beruf und Familie unter einen Hut bekommt, findet hier eine Aufgabe, die persönlich bereichert und im Stadtteil spürbar wirkt.

Ausblick

Mit der neuen Wache verfügt der Löschzug Materborn über die passende Infrastruktur für die nächsten Jahre. Sie bietet mehr Raum für Ausbildung, klare Hygienekonzepte und Stellplätze, die den heutigen Anforderungen entsprechen. Die enge Zusammenarbeit im Löschzug Süd und die Verzahnung im Stadtgebiet bleiben zentrale Bausteine. Trotz aller baulichen und technischen Fortschritte bleibt der entscheidende Faktor der Mensch. „Ich wünsche mir, dass das Ehrenamt in der Gesellschaft wieder mehr Wertschätzung erfährt. Anerkennung gibt es oft nur noch nach Einsätzen, dabei steckt hinter jedem Dienst viel Zeit und Engagement“, sagt Ernst Vehreschild. Dieser Wunsch beschreibt zugleich, worauf es auch künftig ankommt. Materborn will die eigene Stärke halten, Ausbildung und Einsatzvorbereitung weiterentwickeln und die digitale Einsatzvorbereitung verankern, damit der Löschzug auch künftig leistungsfähig bleibt, im Alltag wie in Ausnahmelagen.

Feature-Ausblick

Im nächsten Feature geht es um den CBRN-Zug der Feuerwehr Kleve. Wenn Stoffe austreten, Lagen zunächst unklar bleiben oder besondere Gefahrstoffe im Spiel sind, braucht es Kräfte mit spezieller Ausbildung, klaren Abläufen und verlässlicher Messtechnik. Wir zeigen, wie der Zug arbeitet, warum Übung und Routine hier entscheidend sind und weshalb dieses Thema in Kleve eine besondere Rolle spielt.

Autor: Maurice Coenjaerts